2004
Wir haben wieder einen Deutschen Meister im LV Berlin – aber wo bleibt der Nachwuchs?
Insgesamt gestaltete sich das Jahr 2004 für die Berliner Wettbewerbsflieger recht durchwachsen. Auf der positiven Seite sind die Qualifikationen für die Deutsche Meisterschaften in 2005 der D-Kadermitglieder Natalie Lübben in der Offene Klasse sowie Fabian Meise und Rolf Engelhardt in der Clubklasse zu nennen, wobei sicherlich der Gewinn der Deutschen Juniorenmeisterschaft in der Clubklasse durch Fabian Meise ein herausragendes Ereignis für ihn und den Berliner LV darstellt. Ergänzt wird diese gute Leistung durch die Qualifikation von Lutz Kahlert für die DM 18m-Klasse 2005. Leider werden diese guten Resultate eingerahmt von fehlenden Aktivitäten der Nachwuchspiloten, die entweder keine Wettbewerbsaktivitäten für 2004 geplant hatten oder die geplante Teilnahme abgesagt haben. Die nachfolgende Tabelle zeigt aus der Korrelation zwischen Teilnahme an zentralen Wettbewerben und der dezentralen DMSt einen deutlichen Trend. Entweder hatten die Piloten Zeit für den Segelflugsport, dann nahmen Sie auch an zentralen Wettbewerben teil, oder Sie flogen fast gar nicht. Die Ursache liegt einerseits in dem ausbildungsbedingten Übergang der Nachwuchspiloten am Ende der schulischen oder der Berufsausbildung als auch in der zeitlichen Belastung durch die Ausbildung oder Studium an sich, gepaart mit finanziellen Rahmenbedingungen. Eine Situation, die sich leider auch in den Folgejahren prinzipiell nicht ändern wird.
Wettbewerbsaktivitäten der Berliner Piloten im Überblick (fettgedruckt die qualifizierten Teilnehmer für die DM's 2005) und deren Resultate.


Die Quantität der Berliner Teilnehmer an den Qualifikationswettbewerben ist im Vergleich zu 2002 mit 19 Piloten konstant geblieben, wobei in 2004 zu den 15 Berliner Qualifikanten noch der Teilnehmer an den DM Junioren und die Pilotin der DM Frauen sowie die beiden Berliner Piloten, die durch einen kurzfristigen Klassenwechsel aus der Qualifikantenliste heraus gefallen waren, mitgerechnet wurden. Insgesamt stellten die Berliner Vereine 2,5% der Qualifikanten (15 von 592) und als Ergebnis 1,6% (3 von 182) der qualifizierten Teilnehmer (ohne Festplätze) und blieben somit im Rahmen ihres Engagements, wenn man noch die indirekte Qualifikation von Fabian Meise durch seinen 1. Platz bei der Junioren DM dazurechnet.
Die beiden Berliner Teilnehmer der DM Clubklasse 2003, Rolf Engelhardt und Karsten Koppel versuchten sich diesmal in der Standardklasse zu qualifizieren. Es blieb allerdings bei dem "Versuch"; keiner der beiden Piloten konnte sich nach dem Klassenwechsel unmittelbar qualifizieren. Auch Daniel Günther blieb diesmal der Erfolg bei der Qualifikation in der Clubklasse verwehrt, nach dem er sich mehrfach hintereinander für die DM qualifizieren konnte. Die beiden Nachwuchspilotinnen Carolin Appold und Christina Politz schlugen sich bei ihren ersten Qualifikati-onswettbewerb tapfer und man kann nur hoffen, dass Sie Ihren Enthusiasmus für weitere Wettbewerbe nicht verloren haben. Die für die DM Junioren 2004 qualifizierten D-Kadermitglieder Christian Rex und Marius Kelm konnten leider erst gar nicht angetreten.
Aus dem Abschneiden der Berliner Teilnehmer bei den Qualifikationswettbewerben in 2004 und der DMSt 2004 ergibt sich die Zusammensetzung des D-Kaders 2005, welche als Anlage beigefügt ist.
Theorielehrgang am 09.03.2003 in Berlin
Agenda:
09:30 - 10:00 Klaus Engelhardt: Neue Segelflugwettbewerbsordnung 2004
10:00 - 10:30 Christina Politz: Erfahrungsbericht 3.OMF
10:30 - 11:00 Alexander Adamczyk: MTS (Mentales Training im Segelflug)
11:00 - 11:30 Marius Kelm und Daniel Wachtendonk: Thermikquellen
11:30 - 12:00 Fabian Meise: Wettbewerbsbedingungen Roitzschjora und Umgebung
12:30 - 13:00 Carolin Appold: Sauerstoffversorgung bei Höhenflügen
13:00 - 13:30 Daniel Günther: Flugzeugtuning
Der Vortrag von Klaus Engelhardt über die grundsätzlich neu strukturierte Segelflug-Wettbewerbsordnung Stand 2004 wurde Ergänzt durch seinen Bericht über einen 400km langen Gleitflug ohne Kurbelanteil entlang der thermischen Achse Burg - Fläming - Rotenburg. Außer diesen Vorträgen berichtete noch Rolf Engelhardt über die DM Clubklasse 2003 in Weissenburg beim Auftakttreffen am 31.01.2004 und Christian Rex referierte über Außenlandungen beim D-Kadertrainingslager am 7.05.2004.
D-Kadertrainingslager vom 7.05. – 9.05.2003 in Neuruppin
Leider lies das Wetter nur einen gemeinsamen Trainingsflug am 8.05.2004 zu, bei der mit viel Enga-gement die Kenntnisse der Tags zuvor durch einen Vortrag von Christian Rex thematisierten Außen-landung in die Praxis umgesetzt wurde.
DMSt-Dezentrale Deutsche Meisterschaft im Streckensegelflug
Die D-Kaderpiloten konnten dieses Jahr die Wetterbedingungen für Streckenflüge für die DMSt nut-zen. Bei dem dezentralen Wettbewerb wurden 149 (2003: 163) Streckenflüge mit einer Gesamtlänge von 46.468km (47.987km) eingereicht.
Weitere Informationen unter: http://www.daec-berlin.de/segelflug/dmst/
Qualifikationswettbewerb in Bayreuth vom 28.05. - 5.06.2004
Der Wettbewerb fand um das Pfingstwochenende statt, nachdem sich glücklicher Weise das vorher herrschende deutschlandweite Schlechtwettergebiet gerade geändert hatte, so dass am 1. WT Aufgaben von 500km in der Standard- und 627km in der Offenen Klasse geflogen werden konnten. Am 2. WT herrschten ebenfalls noch gute thermische Bedingungen, allerdings überwiegend nur unter einer Konvektionslinie entlang der Fichtelgebirges und des Thüringer Waldes, die schnelle 100km lange Gleitflüge ohne Kurbelanteil ermöglichte. Die Wertungstage 3-5 wiesen dafür sehr inhomogene Wetterbedingungen auf mit der Neigung zu Überentwicklungen. Interessant war der letzte Wertungstag, bei dem am Ende alle Piloten Gleitstrecken von 50-60km zu absolvieren hatte und die Flugzeuge entsprechend ihrer Leistung aufgereiht auf den Äckern oder Flugplätzen lagen. Die Offene Klasse kam an diesem Tag komplett nach Hause, die 18m Klasse schafften es 11 von 25 und in der Standard-/15m-Klasse schafften es nur noch zwei von 34 Piloten Bayreuth wieder zu erreichen.
In der gemischten Standard- und 15m FAI Klasse (ohne Indexausgleich) bildeten sich immer größere Pulks um den Nationalmannschaftpiloten Herbert Weis und um Claus Triebel, die individuelle gute Tagesleistungen schwierig gestalteten. Beide Piloten, Natalie Lübben in der Offenen Klasse und Rolf Engelhardt in der Standardklasse, kamen am 3. WT bei sehr inhomogenen Wetterbedingungen mit großen, durch Überentwicklungen und anschließender Abschirmung gekennzeichneten Wetter nicht ins Ziel. Nur wer mehr als eine Stunde vor der 2.Wende wartete bis sich das Wetter wieder thermisch entwickelt hatte, kam in der Standardklasse wieder zurück nach Bayreuth. Rolf Engelhardt hatte nicht diese Geduld aufgebracht und büsste damit seine Chance auf einen Qualifikationsplatz ein. Natalie Lübben konnte sich trotz der virtuellen Außenlandung am Ditten Tag durch sehr gute Tagesleistungen an den anderen WT für die DM 2005 in der Offenen Klasse qualifizieren.
Internet: http://wettbewerb.lsg-bayreuth.de/
Qualifikationswettbewerb in Neuhausen 15.07. - 24.07.04
An diesem Wettbewerb nahmen Horst von Schaewen und Rolf Engelhardt in der Clubklasse teil. Der Wettbewerbszeitraum lag zeitlich noch vor der nachfolgenden guten Wetterperiode, so dass hier durchweg eher inhomogene Wetterbedingungen herrschten. Der über fünf Wertungstage gemittelter Quotient von Piloten die außengelandet sind bzw. Piloten, die den Wertungsflug abgebrochen haben, lag dementsprechend bei 50%. Die Wetterberatung war eher humoristischer Natur und trug sicherlich nicht zum Erfolg des Wettbewerbes bei. Durch mangelndes Einholen von aktuellen Wetterentwicklungen wurde daher leider ein möglicher WT verschenkt. Insgesamt aber ist der Wettbewerb durch seine familiäre Ausstrahlung auch Wettbewerbsneulingen immer zu empfehlen.
Wie bereits schon 2002 dominierten bei dieser Brandenburgischen Landesmeisterschaft Piloten aus anderen Bundesländern – vornehmlich ABL -, die auch noch mehrheitlich in festen Teams flogen, wobei sich die Teams vereins- sowie bundesländerübergreifend zusammengefunden hatten. Selektiv im Teamflug wirkte sich hierbei der 3. WT aus, bei dem gleich drei Piloten zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus vermeintlich sicherer Anflughöhe 5km vor dem Platz landen mussten, weil sie nur eine geringfügig andere Linie auf den letzen 10-15 km im AAT Sektor geflogen waren, als ihre jeweiligen Teampartner. So reichte dem Teampartner von Rolf Engelhardt, Andreas Körner, selbst 900m über Platz bei einer Entfernung von 13km und 20km Gegenwind nicht aus, den Platz zu erreichen und er musste aus Sicherheitsgründen 5km vor dem Platz vor dem Wald landen (entspricht einer Gleitzahl von 1:10).
Am letzen Wertungstag kamen beide D-Kaderpiloten leider nicht ins Ziel, so dass Horst von Schaewen seinen guten 8.Gesamtplatz, den er durch gute Leistungen an den anderen Tagen errun-gen hatte, einbüsste und am Ende des Wettbewerbes den 13. Gesamtrang belegte. Rolf Engelhardt konnte am letzten WT trotz der Außenlandung seinen 6. Gesamtplatz verteidigen und wird Berlin so-mit auf der DM Clubklasse im nächsten Jahr vertreten.
Internet: http://www.upsturz.de/block_2004/index.htm
Qualifikationswettbewerb Roitzschjora von 30.07. - 8.08.04
In der Clubklasse waren für den Berliner Landesverband Fabian Meise, Stefan Goretzki, Carolin Appold und Daniel Günther gemeldet. Der Wettbewerb lag in einer bis auf wenige Ausnahmen homogenen Wetterperiode und so konnte an allen Tagen geflogen werden. Das Teilnehmerfeld von 39 Piloten bestand zu über 50% aus auf nationaler Ebene sehr erfahrenen Piloten, die sich regelmäßig für Deutsche Meisterschaften qualifizieren. Die Erwartungen einer hohen Leistungsdichte bestätigten dann auch die folgenden Wertungstage. Trotzdem wurde der Wettbewerb ganz klar vom "Team Libelle", Jan Hinnerk Scheel und Stefan Delfs, dominiert und gewonnen, die über viele Wettbewerbstage so manches Nationalmannschaftsmitglied oder Deutschen Altmeister deklassierten. Von Ihnen ist im nächsten Jahr auf den Deutschen Meisterschaften sicherlich einiges zu erwarten. Stefan Goretzki zeigte über alle Wettbewerbstage eine konstante Leistung ohne größere Ausrutscher nach oben und unten. Dies reichte in der Schlusswertung zu Platz 10, womit er für 9 Wertungstage relativ knapp (300Pkt.) die Qualifikation verpasste (sicher qualifiziert sind die ersten 7).
Fabian Meise und Daniel Günther starteten wie gewohnt im Team. Nach einem geglückten Auftakt am ersten Wertungstag (4. und 9.Tagesplatz), erfolgte eine Außenlandung kurz vor dem Platz am zweiten Wettbewerbstag. Eine falsche Einstellung in bezug auf Motivation und die ungenaue taktische Kennt-nis über Auswirkungen einer Außenlandung stellte an diesem Cat's Cradle-Tag den Fehler dar. Ein hoher Punktverlust war die Folge.
Am darauf folgenden dritten Wertungstag wählte das Team deshalb einen späten Abflug. Diese taktische Umstellung war jedoch von wenig Erfolg geprägt, da die für den ganzen Tag vorhergesagten guten Bedingungen nur bis zum Abflug hielten. Damit kam es zur zweiten Außenlandung.
Der daraus entstandene Rückstand war aufgrund der hohen Leistungsdichte, trotz mehrerer guter nachfolgender Tagesplatzierungen unter den ersten zehn, nicht mehr aufzuholen. Im Endergebnis stand ein 14. bzw. 20 Platz.
Einer großen Aufgabe hatte sich Carolin Appold mit ihrer Teilnahme in der Clubklasse gestellt. Für Ihre geringe Flug- und nicht vorhandene Wettbewerbserfahrung zeigte sie aber erstaunlich gute Leistungen. Über große Teile des jeweiligen Wertungsfluges konnte sie die Speed des Hauptfeldes mitgehen. Ein "Dokumentationsfehler" beim Cat's Cradle und ein taktischer Fehler beim AAT, kosteten Sie allein ca.700 Pkt., so das Ihre Endplatzierung (37.Platz) nicht ganz Ihren Leistungsstand wieder spiegelt. Die Organisation lag wie schon gewohnt in den sicheren Händen des Heidepokal-Teams. Besonders Gerd Kalisch als Sportleiter sorgte für eine straffe und sportlich faire Abwicklung des Wettbewerbsbetriebes.
In der Standardklasse starteten dieses Jahr zwei Mitglieder des D-Kaders. Karsten Koppel und Christina Politz waren nur zwei der 36 Piloten, die jeden Tag ihr Können unter Beweis stellen konnten, denn das Wetter zeigte sich über die 9 Wertungstage von seiner besten Seite. So konnte man bei Strecken zwischen 290 und 595 km eine Menge Erfahrung sammeln und guten Piloten über die Schulter schauen.
Bereits am 2. Wertungstag wurde eine Strecke von über 520 km mit 3 Wendepunkten um Berlin ausgeschrieben. Karsten Koppel konnte sich mit einem 96km/h – Schnitt einen guten 17.Platz in der Tageswertung sichern, während Christina Politz durch eine Außenlandung nur auf dem letzten Platz glänzen konnte. Insgesamt wurden 7 AST, eine DST/AA und einmal ein Cat's Cradle ausgeschrieben. Bei einer hohen Leistungsdichte blieb daher die Frage nach den Platzierungen bis zum Ende spannend. Schließlich gab es in der Standardklasse mindestens sieben Qualifikationsplätze für die DM 2005 zu vergeben. Karsten konnte sich nach den 9 Wertungstagen den 22 Platz sichern, während Christina Politz 36. wurde.
Internet: http://www.heidepokal.de/
DM Junioren in Wilsche von 11.08. - 22.08.04
Nach erfolgreicher Qualifikation dreier Berliner Piloten im letzten Jahr nahm leider nur Fabian Meise an dieser Deutschen Meisterschaft teil.
Während der Trainingstage konnte das sehr gute Wetter der letzten zwei Wochen noch mit entsprechenden Streckenflügen genutzt werden. Zu Beginn des Wettbewerbes stellte sich jedoch eine inho-mogene Wetterlage ein, die sich bis zum Ende des Wettbewerbs durchsetzten sollte. Am ersten Wertungstag wurden Racing-Aufgaben mit 250 km (Club) und 290 km (Standard) ausgeschrieben, die bei stark wechselnden Verhältnissen von fast allen Piloten absolviert wurden. Nach einem freien Tag konnte am 2. WT bei kräftigem Wind, langen Wolkenstraßen und eingelagerten Schauern wieder eine Aufgabe (270 km) geflogen werden. Trotz niedriger Basishöhe kamen ca. 50% der Piloten wieder nach Hause. Bei großen Sprüngen zwischen den Wolkenstraßen und Regen mussten die ersten Piloten bereits Außenlanden, entscheidend waren jedoch die letzten 50 km. Nach abziehendem Regen war keine thermische Aktivität mehr zu erwarten und nur wer zeitig genug die letzte Höhe geholt hatte konnte noch gegen den Wind nach Hause gleiten. 14 Piloten mussten auf diesem letzten Stück auf den Acker.
Die nächsten Tage ließen nur noch kleine Wetterfenster zu. Bei teilweise extremen Winden (bis 45 km/h) konnten nur noch DCC und DAA Aufgaben ausgeschrieben werden. Wer einen gültigen Abflug geschafft hatte, musste mit großen Umwegen und viel Geduld versuchen die Sektoren zu erreichen.
In beiden Klassen wurden noch drei Tage geflogen, jedoch kam an je einem Tag keine Wertung zu Stande.
Nach vier Wertungstagen wurden die letzten drei möglichen Tage nur noch mit Aufbauübungen verbracht. Zu starker Wind und Schauer ließen keine Wertung mehr zu.
Trotz der sehr unterschiedlichen Wetterbedingungen konnte sich Fabian Meise auch ohne Tagessieg mit konstanten Leistungen zum Gesamtsieg in der Clubklasse fliegen.
Das Ausrichterteam um Kersten Feige und Tassilo Bode haben einen hervorragenden Wettbewerb organisiert, der kaum Punkte zur Kritik zulässt.
Internet: http://www.dmj-wilsche.de

Rolf Engelhardt, Nov. 2004